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Besuch in der Beduinenstadt Rahat

Ein Bericht von Judith Wipfler, Oktober 2013


Mitten in der Negev-Wüste, unweit der Grossstadt Beer Sheva, liegt die Beduinenstadt Rahat mit 56‘000 Einwohnern. Strassennamen gibt es hier keine, sondern nur Nummern. Eingeweihte wissen, welche Nummer für welche Sippe steht, die im jeweiligen Quartier wohnt. Dort muss man sich dann «nur noch» durchfragen, denn der GPS-Navigator im Auto kennt diese Strassen nicht.


Gut ausgebildete Erzieherinnen dank dem Trust

Die Hälfte der Einwohnerinnen und Einwohner Rahats sind Kinder. Deshalb sind Erziehung, Bildung und Kinderbetreuung für diese Gesellschaft so wichtig. In Rahat gibt es 157 staatliche Kindergärten und Kindertagesstätte. Für diese Einrichtungen braucht es ausgebildete Erzieherinnen, die psychologisch und medizinisch ebenso geschult sind wie pädagogisch.

Dank Farid Abu Gosh vom Trust darf ich an diesem Tag gleich mehrere dieser starken Beduinenfrauen kennenlernen, die sich zum Teil gegen den Widerstand ihrer Männer eine höhere Bildung angeeignet haben. Heute stehen sie anderen Müttern zur Seite, halten Kurse über gesunde Ernährung ab, vermitteln vorschulische Bildung und sind so den Familien eine echte und kompetente Stütze.


Die Geschichte von Tahani

Zum Beispiel Rina, Nada und Tahani. Tahani hat mich am meisten beeindruckt: Sie ist dunkelhäutig und gehört zum ehemaligen «Sklavenstamm» der Beduinen (ihre Vorfahren stammten aus dem Sudan und waren von beduinischen Mekka-Pilgern in die Sklaverei verkauft worden). Bis heute ist der Rassismus gegenüber diesen «schwarzen» Beduinen gross. Trotzdem hat es Tahani dank Farids Ermunterung und der Finanzierung durch den Trust geschafft! Sie ist heute Koordinatorin des Early-Childhood-Program in Rahat und schliesst demnächst ihr Studium mit einem Master ab.


Das Beduinenleben im Wandel der Zeit

Der Wandel hin zur Sesshaftigkeit in den vom Staat Israel anerkannten und geförderten Siedlungen führt auch zu Problemen innerhalb der Beduinengesellschaft. Ein Teil von ihnen will gar nicht hier wohnen, sondern die angestammte nomadische Lebensweise weiterführen. Dabei stossen die Beduinen dann notgedrungen an Grenzen, die ihnen die wachsende Landwirtschaft sowie der israelische Städte-, Strassen- und Eisenbahnbau setzen, was zu heftigen Konflikten führt. Die Mehrheit der in Rahat lebenden Beduinen lobt und schätzt zwar die Segnungen der Moderne, v.a. fliessendes Wasser und Strom. Das moderne Leben schafft aber auch Probleme, denn traditionelles Wissen über Säuglingspflege und vernünftige Ernährung gehen mitunter verloren. Hier setzt die Bildungsarbeit des Trust und der Kindergärten an, indem sie die Mütter ganz bewusst in den Tagesablauf der Kleinen einbezieht, die ja die Hoffnung ihrer Eltern sind.