SPENDEN

Unser Fenster nach Israel

Mein verrücktes halbes Jahr im Kinderdorf Kiriat Yearim

 

Ari ist 20 Jahre alt und lebt in Zürich. Nach seiner Schulzeit in der Schweiz und seinen Aktivitäten in der Noam und dem Jugendbund Hagoschrim, war ihm klar, dass er gerne Israel bereisen möchte, um sein Hebräisch zu verbessern, das Land kennenzulernen und freiwillig zu arbeiten. Durch die Mechina konnte er Kiriat Yearim kennenlernen und kann von tollen Erfahrungen berichten.

Ich stehe im Streichelzoo und habe die freundliche Schlange namens Pinchas auf meinen Schultern. Mevrat, der Tierpfleger, welcher als Kind aus Äthiopien Aliya machte, sagt mir beruhigend, dass Pinchas weder giftig ist noch, dass er mich erwürgen möchte. Ich versuche mich zu entspannen, gebe Pinchas aber nach ein paar Minuten wieder zurück und kann erst dann wieder ruhig atmen

Nach zwölf Jahren in der Schule, hatte ich genug davon und wollte endlich das echte Leben kennen lernen. Im Sommer 2019 erhielt ich meine Matura und einen Monat später sass ich im Flugzeug nach Israel. Ich wusste, dass ich meine Familie erst in vier Monaten wiedersehen werde, so lange war ich noch nie weg von zu Hause. Zum Glück wurde die Mechina Kol Ami im Schweizer Kinderdorf Kiriat Yearim zu meinem zweiten zu Hause. Eine Mechina ist ein Programm für jüdische Jugendliche aus Israel und der ganzen Welt, welches uns fürs Leben vorbereiten soll. Für die Israelis war es eine Vorbereitung für die Armee. Wir lebten zusammen und lernten, diskutierten, kochten, wanderten, trieben Sport, bereisten das Land und arbeiteten freiwillig im Kinderdorf.

Das Kinderdorf ist wunderschön, ich liebte die grossartige Aussicht und die schönen Bäume und Blumen im Kinderdorf. Der Streichelzoo war aber mit Abstand mein Lieblingsort, denn da durfte ich jeden Mittwochmorgen aushelfen. Wir putzten das ganze Areal, fütterten die Tiere und halfen mit beim Bau einer neuen Scheune. Nach getaner Arbeit durften wir immer die Hasen streicheln, die Ziegen mit altem Brot füttern, den Vogel Rico auf den Arm nehmen und mit der Schlange Pinchas spielen. Es kam oft vor, dass die Schüler zum Streichelzoo kamen, um ihre Hilfe anzubieten. Ich konnte sehen, wie wichtig ihnen die Tiere sind und wie gut es ihnen tut, sich um sie zu kümmern.

In den ersten drei Monaten war ich leider nicht in der Gruppe, welche im Zoo arbeitete, sondern ich war in der Gärtner Gruppe. Während dem Gärtnern zeigten uns die Schinschinim was unsere Aufgaben waren, welche Geräte wir brauchen und wie wir diese bedienen sollten. Während dieser Zeit durfte ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Grasschneider, einen Laubbläser und eine Maschinensäge benutzen. In der Schweiz hätte ich wahrscheinlich eine lange Ausbildung machen müssen, in Israel wurden mir die Geräte nach einer kurzen Erklärung in die Hand gedrückt. Die Mentalitäten sind sehr verschieden!

Schinschinim sind Jugendliche, welche vor der Armee freiwillig ein Schnat Scherut machen, ein Jahr freiwillig für das Land Israel arbeiten. Morgens waren die Schinschinim im Zoo oder im Garten, nachmittags waren sie mit den Kindern, halfen ihnen bei den Hausaufgaben und führten Aktivitäten durch. Die Arbeit, welche diese acht Jugendlichen für das Kinderdorf leisteten, war unglaublich!

Während den Sukkot Ferien verliessen fast alle Kinder das Dorf, um mit ihrer Familie zu feiern. Ich sah aber, dass ein Kind trotzdem im Dorf war. Da erklärte mir eine der Schinschinim, dass dieses Kind kein sicheres zu Hause habe. Es schlief im Busbahnhof von Jerusalem oder manchmal bei Freunden, bis die Mutter eines Freundes ihn zurück ins Kinderdorf brachte. Da wurde mir schlagartig bewusst, wie wichtig die Arbeit des Kinderdorfs Kiriat Yearim ist.

Wenn ich im Kinderdorf spazierte, freute ich mich immer, wenn ich einen kleinen Text auf Deutsch fand, oder die Familiennamen der Spender wiedererkannte. Ich fühlte mich dann immer ein bisschen zu Hause.

Ich liebte jeden Tag, welchen ich im Kinderdorf verbringen durfte und werde auf jedem Fall zurückkehren. Danke vielmals, für das Aufbauen und unterstützen dieses wunderschönen Paradieses!