SPENDEN

Ein Blick in die Geschichte der israelisch-arabischen Bildungsprojekte in Israel


«Giving a Future to all Children in Israel»: Getreu diesem Leitsatz von Kiriat Yearim unterstützt das Hilfswerk, zusammen mit dem Trust of Programs of Early Childhood, Familiy and Community Education, bereits seit 1969 auch Kinder und deren Mütter aus der israelisch-arabischen Bevölkerung in Israel.

Anfangs konzentrierte sich das Engagement auf den Ostteil Jerusalems und das Kulturzentrum Bet David. Heute finden die Aktivitäten vor allem in Ramle/Lod und im Negev statt, wo die Hilfe hauptsächlich der Bevölkerung in den «unrecognized cities» zugute kommt, also jenen Siedlungen, die von der israelischen Regierung nicht anerkannt sind. Dabei werden keine Unterschiede zwischen der jüdischen und der israelisch-arabischen Bevölkerung Israels gemacht. Vielmehr setzen wir uns im Bildungsbereich für die Chancengleichheit aller Kinder in Israel ein. In enger Zusammenarbeit mit dem Mitbegründer und Präsidenten des Trust, Farid Abu Gosh, unterstützt Kiriat Yearim jene Projekte seines Programms, die unserem Leitbild entsprechen.


Ein kurzer Blick zurück zu den Anfängen

Da es aus verschiedenen Gründen nicht möglich war, israelisch-arabische Kinder im Kinderdorf selbst aufzunehmen, beschloss Kiriat Yearim im Jahr 1969, israelisch-arabische Kinder und Jugendliche in Israel generell zu unterstützen. Georges Bloch, damals Quästor von Kiriat Yearim, machte sich zusammen mit Minister Moshe Kol auf die Suche nach einem geeigneten Projektpartner und fand diesen in Farid Abu Gosh und dem Trust.


Gründung des Kulturzentrums Bet David

Bereits aus dem Jahresbericht 1971/72 geht hervor, dass die Idee mit der Gründung des Gemeinschaftszentrums Bet David im Ostteil Jerusalems am 1. Februar 1970 in die Tat umgesetzt werden konnte. Ausser durch Kiriat Yearim wurde diese Begegnungsstätte für israelisch-arabische Jugendliche auch durch die Jerusalem Foundation, die Stadt Jerusalem, das israelische Erziehungsministerium, die WIZO und das ICCY finanziert. Im Jahresbericht ist zu lesen: «Wir versuchen mit Bet David die Unmöglichkeit, arabische Kinder in Kiriat Yearim selbst aufzunehmen, einigermassen wettzumachen… Wie auch seine politische Zukunft sich gestalten mag, Israel wird immer mit Arabern zusammenleben müssen. Es ist im höchsten Interesse beider, der Araber wie der Juden, dass die kulturellen Möglichkeiten, die den jüdischen Jugendlichen zur Verfügung stehen, ihren arabischen Altersgenossen auch zugutekommen. Das ist das Ziel von Bet David.»


Neuausrichtung im Jahr 1995

Im Jahresbericht 1995/96 muss Farid Abu Gosh eingestehen, dass «die von uns unterstützten Zentren in Jerusalem politisch stark infiltriert sind und die rein professionelle Erziehungsarbeit dadurch gefährdet ist». Aus diesem Grund verlassen Farid Abu Gosh und sein Stellvertreter Nabil Yassin 1996 das Kulturzentrum Bet David. Sie führen ihre Arbeit weiter und konzentrieren sich nun auf den Ausbau bereits bestehender und neu zu schaffender israelisch-arabischer Zentren im Land. Ein dringender Bedarf nach solchen Zentren bestand im Negev für die beduinische Bevölkerung. Weitere israelisch-arabische Gemeinschaftszentren im Kernland von Israel sollen in Zukunft aus der Schweiz Unterstützung erhalten.


Jahrzehnte lange Zusammenarbeit mit Farid Abu Gosh und dem Trust

Seit 1969 arbeitet Kiriat Yearim direkt mit Farid Abu Gosh zusammen. Er war es, der 1984 den Trust of Programs of Early Childhood, Family and Community Education ins Leben rief. Im Jahresbericht 2008/09 blickt Farid auf die langjährige Zusammenarbeit zurück und schreibt: «Dieser Rückblick gibt mir Gelegenheit, uns alle zu dieser langjährigen, guten und respektvollen Zusammenarbeit zu beglückwünschen. Die Beziehungen erinnern mich stets an meine damals beginnende berufliche Karriere, kurz nach meinem Studium an der Schule für Sozialarbeit an der Universität Haifa. Ich war ein frisch gebackener Sozialarbeiter, voller Tatendrang, darauf wartend, endlich der arabischen Minderheit helfen zu können.»


Aktuelles Engagement in Ramle/Lod und im Negev

Heute engagiert sich Kiriat Yearim schwerpunktmässig für die Bildungsprogramme in Ramle/Lod - hier vor allem das Nanni Center - sowie im Negev. Im Interview für den Jahresbericht 2014/15 zieht Farid Abu Gosh Bilanz und sagt: «Vierzig Jahre sind vergangen, es ist viel Wasser den Jordan heruntergeflossen, es hat sich viel ereignet, doch die Freundschaft und die professionelle Beziehung zwischen mir, dem Trust und Kiriat Yearim blieben stabil und erfolgreich - nicht nur dank den Mitteln, die wir zur Verbesserung der Lebensqualität arabischer Kinder und Familien in Israel erhielten, sondern auch dank den Freunden von Kiriat Yearim, die mir in schwierigen Zeiten mit Rat und Tat zur Seite stehen.»